KAREN BREECE schreibt
und inszeniert Stücke, die sie auf der Basis intensiver Recherchearbeit und
persönlicher Gespräche entwickelt. Neben diversen Projekten, die sich mit der
Auseinandersetzung und Aufarbeitung der deutschen Geschichte, insbesondere
dem Nationalsozialismus, beschäftigen, liegt ein
zweiter thematischer Fokus der US-Amerikanerin auf der
(gesellschafts-)politischen Gegenwart und Projekten, die sich auf Diskurse und
Fragestellungen der Interkulturalität und Identität, vor allem vor dem
Hintergrund eines sich im Wandel befindlichen Europa konzentrieren.
Das „Dokumentar“-Theater von Karen Breece entsteht auf der Grundlage von
Interviews mit (Zeit-)Zeug*innen und – je nach thematischer Verortung – direkt
Betroffenen, die sie transkribiert und dann mehrfach überschreibt, indem sie
die Aussagen durch literarische, politische oder philosophische Verweise und
Assoziationen neu kontextualisiert oder schreibt. So prallen ganz
persönliche Geschichten und literarische Texte aufeinander und loten die
Grenzen zwischen Fiktion und Realität aus. Durch ihren Ansatz, das
Publikum mittels partizipativer Strukturen einzubinden und „site-specific“, also bewusst an konnotierten
Orten des Öffentlichen Raums zu arbeiten, schafft Breece Reflexionsräume, die
den Grenzbereich zwischen Kunst und Leben unscharf erscheinen lassen. Auf diese
Weise werden Prinzipien des Dokumentarischen und das Genre des Dokumentar-Theaters
in ihren Grundfesten reflektiert.
2025-2027 UND
ENDLICH (UA). Ein
Recherche- und Theaterprojekt mit jungen und alten Leipzigerinnen. Für immer
jung? Wie lebt es sich am Anfang und am Ende des Lebens? Wie meistert man
alles, was dazwischenkommt? Für diese besondere Generationenbegegnung
stellte die Regisseurin Karen Breece für das TdjW in Leipzig ein Ensemble aus
einer Schauspielerin, vier Kindern und drei Seniorinnen zusammen.
Basierend auf Recherche, Interviews und Improvisationen ist ein Stück
entstanden, in dem sich alle Generationen wiederfinden und das zu Rührung,
Humor und Tiefgang einlädt.
2024/2025-2026 CHEMNITZ
2025 // VERSUCH ÜBER MEINEN
GROßVATER (UA) Im Rahmen von INSIDE OUTSIDE EUROPE. Am Theater Chemnitz widmet
sich die Autorin und Regisseurin Karen Breece aus familiengeschichtlicher
Perspektive der mörderischen deutschen NS-Geschichte und ihren Nachwirkungen
in den Familien der Opfer und Täter. Mit der Puppenspielerin Gundula
Hoffmann arbeitete sie sich in die Biographie von deren Großvater ein,
der NSDAP-Ortsgruppenleiter
im Sudetenland und 1942 bis 1945 als Seuchenspezialist
im Generalgouvernement tätig war. Aus den Recherchen und
Gesprächen heraus hat Karen Breece einen Text entwickelt, der das
Schweigen in der Familie durchbricht und die Lücken in den individuellen und
kollektiven Gedächtnissen in Deutschland erforscht.
2023/2024 KINDERHÄUSER (UA 2014) 2022
veröffentlichte die Universität Münster einen Forschungsbericht, der
ein extremes Ausmaß des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch
katholische Priester, Diakone und Ordensangehörige in den Jahren 1945 bis 2020
bezeugt. Ein Jahr zuvor – im Sommer 2021 – wurde der große Missbrauchsfall von
Kinderhaus vor Gericht verhandelt, der ein erschreckendes Bild skrupelloser
Täterschaft und familiärer Mitwisserschaft offenbarte. Missbrauchsopfer
beklagen, dass auch Monate nach Veröffentlichung der beiden Fälle kaum
politische und juristische Konsequenzen gezogen wurden. Kinder und
Jugendliche haben ein Recht auf sichere und gewaltfreie Räume. Warum versagen
genau diese Schutzräume in Kirchen, Heimen, Freizeiteinrichtungen und Familien
immer wieder und deutschlandweit? Wie müssen, sollen und können Kirche und
Zivilgesellschaft reagieren? Warum schweigen und schauen wir als Gesellschaft
oft kollektiv weg, wenn Schutzbedürftige Leid erfahren? Mit einem
großformatigen Recherche-Theaterprojekt für das THEATER MÜNSTER beleuchtet
die Autorin und Regisseurin Karen Breece die konkret persönliche Seite des
Themas Missbrauch hinter den abstrakten Fakten und macht sich auf die Suche
nach Opfern und Täter*innen – und dem Ende der Gewalt. Kinderhäuser stand
auf der Shortlist 2025 für das Theatertreffen.
2022/2023 LOVE FOR SALE - Ein partizipatives Theaterprojekt mit und
über Sexarbeiter*innen und (ehemaligen) Prostituierten (UA) Kaufen und
Verkaufen ist der Kreislauf, in dem wir uns bewegen. Auf dem Sexmarkt erscheint
es ebenso. Der Körper als Ware unterliegt dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.
So groß das Gewerbe ist, so wenig wird darüber gesprochen. Was erzählt uns
der Umgang mit Prostitution und Sexarbeit über uns und unsere Gesellschaft? Was
ist Sexarbeit und was Prostitution? Was bedeutet hier Selbstbestimmung und wann
beginnt die Ausbeutung? Wann beginnt der Missbrauch? Mit Love For Sale taucht
Karen Breece in die Grauzonen und Schatten des Geschäfts mit der Lust ein.
Basierend auf ihrer Langzeitrecherche, geprägt von intensiven Gesprächen mit
Menschen aus dem Umfeld der Prostitution und Sexarbeit, hat die Regisseurin im
Theater HochX einen partizipativen Abend konzipiert, an dem
sie die von ihr befragten Expert*innen zu einem Dialog einlädt und selbst
sprechen lässt. Content Information: Thematisch werden Traumata,
Diskriminierung, Gewalt, Gender und Sexualität in expliziter Sprache
verarbeitet. FSK 18.
2022/2023 WIEN'S ANATOMY Ein Recherche- und Theaterprojekt über das
österreichische Gesundheitssystem, Long Covid und ME/CFS (UA) In
aufwendigen Recherchen sammelt Karen Breece für das VOLKSTHEATER WIEN Geschichten
von Patientinnen, die hinter den Türen ihrer Schlafzimmer oder
Pflegeeinrichtungen vergessen werden, und von Pfleger*innen und Familien, die
sich oft unter ausbeuterischen Bedingungen um sie kümmern. Nach intensiven
Gesprächen und Interviews mit Patientinnen, Betroffenen aus dem gesamten
deutschsprachigen Raum sowie Menschen aus der Pflege, Medizin und Politik und
nach unzähligen Episoden Schwarzwaldklinik gibt Karen Breece in WIEN’S ANATOMY
gemeinsam mit Alltagsexpertinnen und Schauspieler*innen diesen Geschichten
eine Bühne.
2022 #IAmHere – Eine künstlerische Aktion zum ME/CFS
Awareness Day von Karen Breece Am 12. Mai plant das VOLKSTHEATER
WIEN zusammen mit der Regisseurin eine künstlerische Aktion zur Situation
der ME/CFS-Kranken. Unter dem Motto #IAmHere sollen vom 11. bis
einschließlich 19. Mai im Volkstheater Wien,
im Schauspielhaus Bochum und nach Möglichkeit an weiteren Orten im
öffentlichen Raum Porträts und Statements von Betroffenen aus Österreich,
Deutschland und der Schweiz zu sehen sein. Die Aktion thematisiert das von
Betroffenen empfundene Unsichtbar-Sein und das Vergessen-Werden durch die
Gesellschaft, indem sie Menschen mit ME/CFS Stimme und Gesicht gibt und auf
ihre Situation aufmerksam macht. Unterstützt wird die Aktion #IAmHere von der
Theater- und Filmschauspielerin Jasna Fritzi Bauer. In Kooperation mit der
Österreichischen Gesellschaft für ME/CFS, der Deutschen Gesellschaft für
ME/CFS, #MillionsMissing Deutschland und der Schweizerischen Gesellschaft für
ME & CFS.
- Am 12. Mai wird es
zudem ein Gespräch zwischen Betroffenen und Fachleuten in der ROTEN BAR des WIENER
VOLKSTHEATERS geben, mit: Dr. Michael Stingl (Neurologe),
Karen Breece (Regisseurin), Johannes Schweighardt (ÖGME/CFS) und der Wiener
Patientinnenanwältin DrIn Sigrid Pilz. Die Moderation hierfür übernimmt
die Dossier-Journalistin Sahel Zarinfard.
2021-2023
JURYMITGLIED Tanz und
Theaterproduktionen mit Alltagsexpertinnen, Kulturreferat München.
2020-2022 I AM HERE ist eine künstlerische
Recherche über die schwere neuroimmunologische Krankheit ME/CFS
(Myalgische Encephalomyelitis/das Chronic Fatigue Syndrom), die eine Teilhabe
am Leben in der Regel unmöglich macht. Die Krankheit nimmt vor allem den
Schwer- und Schwerstbetroffenen jegliche Lebensqualität. Leben spielt sich nur
noch im Kopf der Betroffenen ab, die sich entweder durch Meditation oder
Schaffung von Phantasiewelten beschäftigen. An der Versorgung der Betroffenen
mangelt es an allen Ecken und Enden. Versorgungsämter, Kranken- und Pflegekasse
sind überfordert mit der Beurteilung und Bewilligung von Anträgen. Der
Forschungsstand zu der Krankheit steckt noch in den Kinderschuhen, auch weil
sich für die Krankheit bislang kaum eine Lobby oder Interesse der
Pharma-Industrie findet und notwendige Forschungsmittel für die wenigen
Spezialist*innen fehlen. Die dringend notwendige interdisziplinäre Forschung
könnte nur durch den Willen der Politik befördert werden. Dass dies im Falle
von Covid-19 und Long Covid mit Milliardenbeträgen möglich ist, haben wir in
den vergangenen Monaten erlebt. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Der Wille
fehlt hinsichtlich ME/CFS aber (noch). Von der Solidarität, die sich während
der Corona-Pandemie gesamtgesellschaftlich gezeigt hat, besteht bei ME/CFS
keine Spur. #IAmHere, Fonds Darstellende Künste.
2019 SHOUT OUT LOUD (UA) ist der Versuch einer Reflexion
über das Laut-Sein und Stumm-Werden, über das Hören und Nicht-Hören in einer
Gesellschaft, in der Kommunikation alles ist und immer noch am meisten über
Lautsprache funktioniert. Gemeinsam mit einem internationalen Ensemble von
gehörlosen Menschen und in Koproduktion mit den MÜNCHNER KAMMERSPIELEN erarbeitet
Karen Breece eine immersive Theaterinstallation, die nach Möglichkeiten einer
neuen Verständigung sucht: zu hören ohne Lautsprache; zu verstehen, ohne zu
hören. Die Folie, vor deren Hintergrund diesen Fragen nachgespürt wird, ist ein
Ort, der in besonderem Maße für das Laut-Sein steht – der BLITZ CLUB auf
der Museumsinsel. Dort kann Sound auch körperlich erfahrbar gemacht werden, ein
immersiver Raum entstehen, innerhalb dessen sich Hörende und Gehörlose auf
gleicher Ebene begegnen. Können anstelle des gesprochenen Wortes Bilder,
Zustände und Anordnungen - anstelle von Schall Vibrationen, Rhythmen und
Berührungen stehen?
2019-2021 Für MÜTTER UND SÖHNE (UA) hat
Karen Breece für das BERLINER ENSEMBLE intensiv
zum Thema Rechtsextremismus in Deutschland recherchiert. Der Abend geht der
Frage nach, warum sich junge Menschen radikalisieren. Wer sind diese jungen
Menschen und was wollen sie? Wird ihre Radikalisierung durch bestimmte
familiäre Konstellationen begünstigt? Welche Rolle spielen die Mütter dabei,
und welche die Väter? Wie gehen Mütter mit der Radikalisierung ihrer Kinder um?
Aus dem Mikrokosmos der Perspektive radikalisierter Söhne und der der Familien,
in denen diese Söhne einmal Kinder waren, lenkt Karen Breece den Blick auf den
Makrokosmos der Gesellschaft und stellt damit neben der Frage der Verantwortung
von Politik und Gesellschaft auch die Frage nach der Verantwortung jedes
Einzelnen von uns.
2018-2023 Für ihre Arbeit AUF DER STRASSE (UA) am BERLINER
ENSEMBLE hat Karen Breece über mehrere Monate hinweg in Berlin zum
Thema der Wohnungs- und Obdachlosigkeit und den Umständen, die Menschen in die
Armut treiben, recherchiert. Aus den zahlreichen Begegnungen mit in
unterschiedlicher Weise betroffenen Menschen ist schließlich ein
dokufiktionaler Theaterabend entstanden, der zentral von Psy Chris, René
Wallner und Alexandra Zipperer erzählt. Im Februar 2019 war die Inszenierung
zur Eröffnung des Brechtfestivals Augsburg eingeladen.
2017-2018 ORADOUR (UA) Karen Breece begibt sich auf
die Suche nach den Konsequenzen des grausamsten SS-Massakers in Westeuropa -
für die Opfer, die Tatbeteiligten und die jeweiligen Nachfahren. Gleichzeitig
reflektiert die Inszenierung unseren heutigen Umgang mit der deutschen
NS-Geschichte: Gibt es gegenwärtig einen Überdruss an der Aufarbeitung des
Vergangenen? Wie können sich die Generationen der Gegenwart überhaupt von
Verbrechen ihrer Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern betroffen fühlen? Sollte
nicht langsam Gras darüber wachsen? In ihrer Arbeit, die in Koproduktion mit
den MÜNCHNER KAMMERSPIELEN, uraufgeführt im HochX, und
in Zusammenarbeit mit den Schauspieler*innen Katja Bürkle und Benny Claessens
entstanden ist, beschäftigt sich Karen Breece vor dem Hintergrund des
SS-Massakers mit den Schwierigkeiten des Erinnerns und der Unmöglichkeit des
Vergessens. Zwischen der Absurdität der Realität und der Unzulänglichkeit ihrer
Repräsentation. Zwischen einer unmöglichen Vergangenheit und einer unmöglichen
Gegenwart.
2018 Buchpräsentation: Theater der Zeit -
Darstellende Künste im öffentlichen Raum. Transformationen von UnOrten und
ästhetische Interventionen mit einem Beitrag über DACHAU // PROZESSE. Was
können die darstellenden Künste im öffentlichen Raum leisten? Der Band
Darstellende Künste im öffentlichen Raum zeigt anhand von 18 Theater- und
Tanzprojekten aus ganz Deutschland, wie sogenannte "Unorte" im
öffentlichen Raum experimentell erobert und zu theatralen Wirkungs- und
zeitweiligen neuen Lebensräumen transformiert werden. Die Beiträge entstanden
im Rahmen eines Symposiums zur Bedeutung der darstellenden Künste und
interdisziplinärer ästhetischer Interventionen im öffentlichen Raum, an dem
rund 250 Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Kulturpolitikerinnen aus
dem In- und Ausland beteiligt waren, u. a. Heinz Schütz, Frauke Surmann, Harald
Welzer und Georg Winter. Ergänzt wurde die Präsentation durch ein Künstlerinnengespräch mit
dem Herausgeber, und u. a. unter Beteiligung von Karen Breece. Theater
am Pfefferberg, Berlin.
2017-2020 DON'T
FORGET TO DIE (UA). Ein
Theaterabend über Tod und Sterben. Keiner will sterben. Weder jung noch alt.
Wenn aber etwas im Leben gewiss ist, dann der Tod. Man sollte also nicht
vergessen, sich auch auf dieses letzte Ende vorzubereiten, denn ohne den Tod
hätte das Leben kaum einen Sinn. In Don’t Forget To Die setzen
sich fünf Menschen im Alter von 74 bis 94 Jahren auf der Bühne mit ihrem
eigenen Tod auseinander. Aber kann man den eigenen Tod proben, so wie man die
eigene Beerdigung plant? Karen Breece hat über ein Jahr hinweg Gespräche mit
alten Menschen über das Sterben geführt und daraus einen Text entwickelt, der
sich im Grenzbereich von Erinnerung und Hoffnung, Realität und Fiktion bewegt.
Gemeinsam mit den Akteur*innen inszeniert sie einen Abend, der gleichermaßen
tragische wie komische Perspektiven des Sterbens erfahrbar macht. Die
Inszenierung, die im HochX uraufgeführt wurde, war als
Gastspiel an den MÜNCHNER KAMMERSPIELEN zu sehen und zum Festival
Internationale Neue Dramatik FIND 2018 der SCHAUBÜHNE AM
LEHNINER PLATZ nach Berlin eingeladen.
2015-2017 inszeniert Karen Breece WELCOME TO
PARADISE (UA, site-specific), ein Theaterprojekt zur aktuellen Asylpolitik
auf Grundlage von Gesprächen mit Geflüchteten und Asylbeamt*innen. Das Projekt
entstand in Koproduktion mit dem MÜNCHNER
VOLKSTHEATER und dem Münchner
Flüchtlingsrat und wurde in der St. Matthäus-Kirche uraufgeführt
- gelegen am Sendlinger-Tor-Platz, dem Verkehrsknotenpunkt und Transitort, an
dem Hunger-Streik, BAGIDA-Demonstrationen und Gegendemonstrationen
("München ist bunt") stattgefunden hatten.
- Als szenische Lesung tourte
die Inszenierung noch bis März 2017 durch zahlreiche Münchner
Stadtteilkulturzentren.
2013/2014 Mit DACHAU
// PROZESSE (UA, site-specific) erobert
Karen Breece mit der ehemaligen SS-Garnison Dachau,
heute Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei, zum zweiten Mal theatral
einen "UnOrt" und macht ihn erstmals der Öffentlichkeit
zugänglich. DACHAU // PROZESSE basiert auf den Protokollen der
historischen Dachauer Prozesse von
1945-1948, in denen Konzentrationslagerverbrecher vor einem amerikanischen
Militärgericht angeklagt wurden. Wie war es möglich, dass Menschen in der
SS-Garnison auf der einen Seite des Zauns einen glücklichen Alltag leben
konnten, während sie auf der anderen Seite Häftlinge quälten, misshandelten und
töteten? Waren die Täter Bestien, Weltanschauungskrieger oder ganz normale
Menschen? – Im Mittelpunkt dieser Inszenierung steht das Leben "Zaun an
Zaun" - SS-Siedlung neben KZ. Die Besucher*innen erkunden in Bussen die
ehemalige SS-Garnison und werden anschließend in dem historischen
War-Crimes-Branch-Gebäude Zeug*innen eines neuen Dachauer Prozesses. Erzählt
wird vom Untergang einer Familie, der Familie des letzten Kommandanten
des KZ Dachau,
Martin Gottfried Weiß, die stellvertretend für den Untergang des NS-Regimes
steht.
2012/2013 WAS
WIR LIEBTEN (UA). Ein
Theaterexperiment mit Menschen im Alter von 76 bis 104 Jahren (UA,
site-specific) Theater mit alten Menschen bedeutet eine Choreografie mit
großen körperlichen Einschränkungen. Nichts ist vorhersehbar, nichts planbar -
alles verändert sich von Probe zu Probe und von Aufführung zu Aufführung. In
der ERLÖSERKIRCHE München-Schwabing beschäftigt
sich Karen Breece in Was Wir Liebten, einem vielbeachteten
Theaterexperiment mit alten Menschen, mit der Frage nach der Bedeutung von
Jugend und Jugendlichkeit in unserer Gesellschaft, reflektiert durch sehr alte
Menschen. Was wurde geliebt? Welche Liebe bleibt? Gibt es eine Schönheit im Altern?
Was geschieht, wenn Bewegungen fast nur noch im Kopf ausgeführt werden? Wenn
Gefühle im Erinnern und Beschreiben entstehen? An zentraler Stelle in der Stadt
entsteht an einem symbolisch aufgeladenen Ort eine Plattform für diese
Menschen, die seit so langer Zeit die Welt, in der wir leben, beobachten,
analysieren und über sie staunen.
2012-2013 DIE BLUTNACHT AUF DEM SCHRECKENSTEIN oder
RITTER ADOLARS BRAUTFAHRT UND SEIN GRAUSIGES ENDE oder DIE WAHRE LIEBE IST DAS
NICHT (UA, site-specific) Für ihre Inszenierung des KZ-Häftlingsstücks von Rudolf Kalmar in
der ehemaligen MD-PAPIERFABRIK
DACHAU - einem Widerstandsstück - erhielt Karen
Breece bayernweite Medienresonanz. Erzählt wird von Haltung, Mut und
Widerstand der Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau. Erzählt wird von der
Kraft der Kunst und des Geistes, die selbst unter den Bedingungen des Terrors
nicht erstickt werden konnten. In den realen ‚Blutnächten’ von Dachau hat
die SS auf grausame Weise unzählige Häftlinge getötet, den Geist der Häftlinge
konnte sie jedoch nicht töten. Die Inszenierung lässt dabei bewusst die
Geschichte der "Blutnacht", die 1943 im KZ Dachau unter den
Bedingungen des Terrors entstanden war, von Menschen erzählen, die heute in
Dachau leben - der Versuch einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der
Geschichte dieser Stadt.
2012 übernahm Karen Breece an den Münchner
Kammerspielen die künstlerische Produktionsleitung für Dries
Verhoevens DUNKELKAMMER, ein Projekt über Intimität, Wahrnehmung
und die Rolle des Sehens in zwischenmenschlicher Nähe mit einer Gruppe blinder
Performerinnen.
2010/2011-2012 Im Rahmen des Stadtraumprojekts der Münchner
Kammerspiele in der ehemaligen Bayern-Kaserne in München-Freimann
übernahm Karen Breece als Kuratorin die Projektleitung und Chorarbeit für DIE PERSER von
Aischylos in der Inszenierung von Johan Simons, dem Intendanten der Münchner
Kammerspiele, in der Fassung von Durs Grünbein – einem der ältesten erhaltenen
Stücke des europäischen Theaters, das oft als frühes Antikriegsdrama gelesen
wird. Neben dem Ensemble arbeitete Breece mit Menschen, deren Biografien von
Kriegserfahrungen geprägt waren, und zeichnete auch für die Besetzung des Chors
verantwortlich. So stellte sie ihn aus Zeitzeuginnen des Zweiten
Weltkriegs sowie aus Geflüchteten aus dem Irak, Uganda und Bosnien zusammen und
verband so historische und aktuelle Kriegserfahrungen im Sinne des antiken
Chors bei Aischylos.
2010 inszenierte Karen Breece erneut im Rahmen
des Dachauer Musiksommers Heinrich von Kleists DER
ZERBROCHENE KRUG als Open-Air-Theater auf dem Dachauer
Rathausplatz. Auch hier war ein Bürgerchor fester Bestandteil der Aufführung,
gemeinsam mit einem Ensemble aus professionellen und lokalen Spielerinnen wie
Musikern.
2008-2009 Im Rahmen des Dachauer Musiksommers inszenierte
Karen Breece ROMEO UND JULIA von William Shakespeare als
Open-Air-Theater auf dem Rathausplatz, bei der neben der Besetzung ein
35-köpfiger Bürgerchor integraler Bestandteil der Handlung war. Das Projekt
markierte zugleich das bis dahin erste Stadtraumprojekt, das die drei großen
Dachauer Vereine in einer gemeinsamen künstlerischen Struktur zusammenführte
und aus dem neue Formen der Zusammenarbeit und des Zusammenspiels hervorgingen.
Pro Vorstellung erreichte die Produktion rund 500 Zuschauerinnen.
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