28.07.2015

Karen Breece schreibt und inszeniert Stücke, die sie auf der Basis intensiver Recherchearbeit und persönlicher Gespräche entwickelt.
Nach diversen Projekten, die sich mit der Auseinandersetzung und Aufarbeitung der deutschen Geschichte, insbesondere dem Nationalsozialismus, beschäftigen, liegt ein zweiter thematischer Fokus der US-Amerikanerin auf der politischen Gegenwart und Projekten, die sich auf Diskurse und Fragestellungen der Interkulturalität und Identität, vor allem vor dem Hintergrund eines im Wandel befindlichen Europa konzentrieren. 

Das „Dokumentar-Theater“ von Karen Breece entsteht auf der Grundlage von Interviews mit (Zeit-)Zeugen und - je nach thematischer Verortung - direkt Betroffenen, die sie transkribiert und dann mehrfach überschreibt, indem sie die Aussagen durch literarische, politische oder philosophische Verweise und Assoziationen neu kontextualisiert. Durch ihren Ansatz, das Publikum mittels partizipativer Strukturen einzubinden und „site-specific“ zu arbeiten, also bewusst an konnotierten Orten des Öffentlichen Raums zu arbeiten, schafft Breece Reflexionsräume, die den Grenzbereich zwischen Kunst und Leben unscharf erscheinen lassen. Auf diese Weise werden Prinzipien des Dokumentarischen und das Genre des Dokumentar-Theaters in ihren Grundfesten reflektiert. 

2018 In ihrer jüngsten Arbeit "Auf der Straße" (UA September 2018) hat Karen Breece für das Berliner Ensemble über mehrere Monate hinweg in Berlin zum Thema der Wohnungs- und Obdachlosigkeit und den Umständen, die Menschen in die Armut treiben, recherchiert. Aus den zahlreichen Begegnungen mit von dem Thema in unterschiedlicher Weise betroffenen Menschen ist schließlich – nach mehrfacher Überarbeitung, Kontextualisierung und Fiktionalisierung durch die Autorin Breece – während der Probenphase in Kollaboration mit den Ensemblemitgliedern Nico Holonics und Bettina Hoppe ein dokumentarischer Theaterabend entstanden, der zentral von Psy Chris, René Wallner und Alexandra Zipperer erzählt. 

2017 bis 2018 In ihrer Arbeit ORADOUR (UA Februar 2018), die in Koproduktion mit den Münchner Kammerspielen und in Zusammenarbeit mit den Schauspielern Katja Bürkle und Benny Claessens entstanden ist, beschäftigt sich Karen Breece vor dem Hintergrund des SS-Massakers von Oradour mit den Schwierigkeiten des Erinnerns und der Unmöglichkeit des Vergessens.

2016 bis 2018 In DON'T FORGET TO DIE (UA Januar 2017), einem Theaterprojekt über das Sterben, setzen sich fünf Menschen im Alter von 74 bis 94 Jahren auf der Bühne mit ihrem eigenen Tod auseinander. Die Inszenierung war im Februar nochmal als Gastspiel an den Münchner Kammerspielen zu sehen und ist zum Festival Internationale Neue Dramatik FIND 2018 der Schaubühne am Lehniner Platz nach Berlin eingeladen.

2015 inszenierte Karen Breece WELCOME TO PARADISE (UA Juni 2015), ein Theaterprojekt zur aktuellen Asylpolitik auf Grundlage von Gesprächen mit Geflüchteten und Asylbeamt*innen. Das Projekt entstand in Koproduktion mit dem Münchner Volkstheater und wurde in der St. Matthäus-Kirche uraufgeführt, gelegen am Sendlinger-Tor-Platz, dem Verkehrsknotenpunkt und Transitort, an dem Hunger-Streik, BAGIDA-Demonstrationen und Gegendemonstrationen ("München ist bunt") stattgefunden hatten.

2014 eroberte Karen Breece mit der ehemaligen SS-Garnison, heute Gelände der Bereitschaftspolizei Dachau, zum zweiten Mal theatral einen "Un-Ort" und machte ihn erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. DACHAU // PROZESSE (UA Mai 2014) basiert auf den Protokollen der historischen Dachauer Prozesse von 1945-1948, in denen Konzentrationslagerverbrecher vor einem amerikanischen Militärgericht angeklagt wurden. Im Mittelpunkt dieser Inszenierung steht das Leben "Zaun an Zaun" - SS-Siedlung neben KZ.

2013 In der Erlöserkirche München-Schwabing beschäftigte sich die Regisseurin in WAS WIR LIEBTEN (UA November 2013), einem vielbeachteten Theaterexperiment mit alten Menschen, mit der Frage nach der Bedeutung von Jugend und Jugendlichkeit in unserer Gesellschaft, reflektiert durch sehr alte Menschen.

2012/2013 erhielt Karen Breece für ihre Inszenierung des KZ-Häftlingsstücks DIE BLUTNACHT AUF DEM SCHRECKENSTEIN oder RITTER ADOLARS BRAUTFAHRT UND IHR GRAUSIGES ENDE oder DIE WAHRE LIEBE IST DAS NICHT (UA Juli 2012) von Rudolf Kalmar in der ehemaligen MD-Papierfabrik Dachau bayernweite Medienresonanz. Die Inszenierung hatte zum Ziel, die Geschichte der "Blutnacht", die 1943 im KZ Dachau unter den Bedingungen des Terrors entstanden war, bewusst von Menschen erzählen zu lassen, die heute in Dachau leben. Sie ist der Versuch einer ganz persönlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Stadt.








 






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